Mittwoch, 6. April 2016

Es gibt für alles ein erstes Mal...

...und so schaffe ich es am Gründonnerstag endlich zum Morro do Moreno.


Die Woche zuvor noch sehnsüchtig vom Convento da Penha, auf dem Hügel nebenan, rüber geblickt, habe ich nach 13 Monaten auch diesen Mini-Berg erklommen.

Mit seinen ca 190 m Höhe ist  es wirklich eher ein Hügel, dessen Spitze man sowohl mit dem Fahrrad als auch mit dem Auto erreicht. Weder das eine, noch das andere besitze ich in Brasilien und so bleiben nur noch meine eigenen zwei Beine. Da ich aber auch nicht in nächster Nähe des Morros wohne, brauche ich drei verschiedenen Busse und ca eineinhalb Stunden um überhaupt am Fuße des Mini-Berges anzukommen.
 Doch an dem Morgen heißt es dann plötzlich: Protest auf der BR (wie eine Bundesstraße oder kleine Autobahn), die Busse fahren nicht. Na super! Und jetzt? Lisa und Eva eine Nachricht geschrieben, dass es so aussieht als würde das mit dem Morro wieder nichts für mich werden. Ein paar Minuten später dann die Frage meiner Gastmutter, ob ich nicht zum Terminal Carapina wollte. Ja, genau dahin wollte ich! Der Bus fuhr also doch, hatte nur kurzerhand seine Strecke geändert um irgendwie an dem Protest vorbeizukommen und brauste nun direkt vor unserer Haustür entlang. Zum Glück schon oder eher noch passend gekleidet und mit einer Flasche Wasser in der Tasche laufe ich raus aus der Tür, strecke meinen Arm aus damit der Bus hält, springe rein und schon geht es im brasilianisch rasanten Fahrstil weiter.
Erst am Terminal angekommen kann ich Guthaben auf mein Handy laden um den Mädels zu sagen, dass ich nun doch auf dem Weg nach Vila Velha bin und wir uns dort am nächsten Terminal treffen.
Endlich alle drei zusammen, geht es mit dem Bus am Strand entlang Richtung Morro do Moreno. Raus aus dem Bus, in der heißen quasi schon Mittagssonne die Straße entlang und dann endlich unter das schützende Blätterdach des Aufstieges.

Wir entscheiden uns für die "Trilha", also den schwierigeren Weg über Stein und Fels und lassen die "Straße" für den Rückweg.
Zunächst noch mit der Überzeugung richtig zu gehen müssen wir uns nach 20 Minuten eingestehen, dass wir eine entscheidende Abbiegung wohl verpasst haben. Auf der einen Seite eine blanke Felswand, auf der Anderen der Abhang und vor uns eine dichte Sträucherwand a.k.a. Hecke. Also wieder zurück und immer schön die Augen auf um nicht wieder am richtigen Weg vorbeizulaufen.
Ein paar Meter vor uns, zwischen den Bäumen sehen wir zwei Typen, die offensichtlich den richtigen Weg kennen. Jetzt schnell hinterher um vor Sonnenuntergang noch nach oben zu kommen.
Wenn man sich erst einmal auf dem richtigen Weg befindet geht es wirklich gut vorwärts.

Nach ca einer Stunde sind wir fast oben angekommen und können die erste tolle Aussicht genießen.
Weitere sieben Minuten später haben wir es zum höchsten Punkt des Morro do Moreno geschafft und haben bei strahlender Sonne einen unglaublichen Blick auf die umliegenden Städte, einen kleinen Leuchtturm, den Hafen, die "terceira Ponte" (die lange Brücke) und den "Mestre Álvaro"( der größere Berg im Hintergrund auf dem ich vor einem Jahr war).




Schon fast wieder am Fuße des Morro angekommen sorgt eine Schlange mitten auf dem Weg noch für etwas Nervenkitzel, bevor es wieder zur Bushaltestelle geht.
Eva muss noch zum Konsulat und so beschließen Lisa und ich im nahegelegenen Shopping Praia da Costa einen Saft zu trinken.
Nachdem wir uns auf der Shopping-Toilette vom gröbsten Berg-Schmutz befreit haben gehts zum Balada Mix wo ich mir einen Saft aus roten Früchten mit Kakao bestelle. Ich meine hier keines Falls das dunkelbraune Pulver das wir in Milch mischen, sondern spreche vom süß sauren, weißen Fruchtfleisch einer Kakaobohne. Dadurch erhält der smoothie artige Saft nämlich seinen speziellen Geschmack und wird ein einem dunklen Rosaton an unseren Tisch gebracht, während Lisas ohne Kakao in einem kräftigen Rot leuchtet. Okay, dass war jetzt eine sehr ausführliche Beschreibung für einen Fruchsaft, aber wer ist wirklich gut!


Oft gibt es aber auch letzte Male im Leben...
und davon kommen in den nächsten Wochen glaube ich viel zu viele auf mich zu. Karsamstagabend habe ich somit das letzte Mal mit meiner Gruppe in der Kirche gesungen. Hier in der Gemeinde gibt es eine große Musikgruppe (hauptsächlich Sänger) die sich in Kleingruppen der reihenfolge nach mit dem Singen in den Messen sonntagabens abwechseln. Für ca ein Jahr habe auch ich die Gottesdienste musikalisch mitgestaltet, aber da es für mich in drei Wochen zurück nach Deutschland geht und eine Kleingruppe nur ein Mal im Monat singt, werde ich beim nächsten Mal meiner Gruppe schon nicht mehr in Brasilien sein.
Die Karsamstagsmesse war aber, genauso wie die Ostermesse um fünf Uhr morgens des nächsten Tages, sehr schön und damit ein gelungenes letztes Mal.